Für die A-Juniorinnen der SG Steinbach/Kappelwindewck endete im Viertelfinale der Traum vom Final Four. ©Marco Schreiber
Die Reise der A-Juniorinnen der SG Steinbach/Kappelwindeck endete im Viertelfinal-Rückspiel vor den Augen der Nationalspielerinnen Antje Lautenroth und Kim Naidzinavicius zuerst schmerzlich und tränenreich nach der 27:31-Niederlage bei der SG BBM Bietigheim, mit etwas Abstand dann aber schon wieder mit viel Stolz in den Augen.


Vor der Partie hatten sich die Spielerinnen um Franka Riedl und der schulterverletzten Nadja Kaufmann noch einmal viel vorgenommen. Nadja Kaufmann musste am Vortag noch verletzungsbedingt pausieren, stellte sich aber mit ihrem unnachahmlichen Kampf- und Teamgeist von Beginn an erneut der Partie. Diese begann mit einer taktischen Überraschung des Bietigheimer Trainers, der die angedachte offensive Abwehr der SG-Truppe kommen sah und von Beginn an fast eine Halbzeit lang mit einer siebten Feldspielerin agierte und so natürlich die Rebland-Abwehr vor eine neue defensive Aufgabe stellte. Dies gelang zwar zunehmend besser, aber im Angriff hatte man leider einige unnötige einfache Fehler und lud den Gegner auch noch zusätzlich zu Kontertoren förmlich ein. Dennoch blieb man mit einer gut aufgelegten Helena Klöpfer, der auf Linksaußen gewechselten Nadja Kaufmann und einem Siebenmeter-Treffer von Lucy Klingler bis zum 5:3 noch auf Schlagdistanz. In der Folge ließ man aber immer wieder Überzahl-Zuspiele an den Kreis und beide Außenpositionen zu, was Trainer Arnold Manz bereits nach zehn Minuten zur ersten Auszeit zwang. Trotz einiger personeller und taktischer Umstellungen konnte man den nun äußerst clever auftretenden Bundesliga-Nachwuchs aus Bietigheim nicht entscheidend stoppen.

Im Gegenteil. Über 4:10 und 7:13 schienen die Felle vorentscheidend davonzuschwimmen. In der 20. Minute versuchte man auf der SG-Bank erneut mit einer Auszeit, mehr Ruhe und Struktur in Angriff und Abwehr zu bringen und das teils hektische Spiel zu beruhigen. Dies gelang dann deutlich besser, und mit einem Doppelschlag konnte Luna Baumann auf 14:11 verkürzen, bevor man dann aber erneut leichte Fehler machte und mit einem 12:16-Rückstand in die Pause ging.

Selbstkritisch versuchten die Spielerinnen mit den Trainern in der Halbzeit einige Dinge noch mals anzusprechen, um nochmals anzugreifen. Dies gelang durch die stark formverbesserte Franka Riedl beim 18:15 tatsächlich. Die Abwehr stand inzwischen im 6:6 mit einer 3:2:1-Abwehr deutlich besser, und vorne explodierte Nadja Kaufmann mit beherzten Treffern im Zweikampf förmlich. Auch Ina Rahner im Tor stand nun wie ein Fels und schnappte sich mehrere Großchancen der Gastgeberinnen.

Als dann auch noch eine doppelte Überzahl durch die kernig einsteigenden BBM-Mädels ausgesprochen wurde, schien das Spiel tatsächlich zu kippen. In der 47. Minute war die Rebland-Truppe plötzlich wieder im Spiel und konnte den 22:22-Ausgleich erzielen.

Leider kam nun erneut das andere Gesicht des Teams zum Vorschein, als man sich gegen die sehr verunsicherte Bietigheimer Mannschaft unnötige technische Fehler und Abschlüsse erlaubte, die innerhalb von sechs Minuten erneut einen 22:29-Rückstand bescherten. Einen solchen 7:0-Lauf hätten sich natürlich die Rebland-Mädels gewünscht, schienen aber in diesen wenigen Minuten völlig von der Rolle. Dass sie das aber auch besser können, zeigten die nie aufgebenden Mädels mit einer ebenfalls sicheren eingewechselten Torhüterin Lena Strack im Tor in der Schlussphase. Trainer Arnold Manz wechselte nun alle Akteurinnen ein, die ihre letzten Minuten in der A-Jugend erlebten und nun komplett im Frauenbereich auflaufen werden.

Lorena Vierling, Janina Jülg, Franka Riedl und Nadja Kaufmann wehrten sich nochmals mit aller verbliebenen Energie gegen die drohende Niederlage und konnten in der finalen Phase der Partie nochmals in offener Deckung etliche super gewonnene Zweikämpfe mit eigenen schnellen Treffern abschließen und ein doch noch äußerst respektables Ergebnis erzielen.

Auch wenn der Traum vom Final Four um die deutsche Meisterschaft endgültig platzte, darf man stolz sein. Mit Bietigheim, Buxtehude, Leipzig und Leverkusen spielen allesamt Vereine dieses Finalturnier, die komplett andere Bedingungen für ihre künftigen Bundesliga-Spielerinnen bieten können.

Bedenkt man, was die Mädels der SG Steinbach und Kappelwindeck die letzten Monate trotz widrigen Umständen und großen schulischen Belastungen geleistet haben, fünf Mädels stehen aktuell mitten in den Abiturprüfungen, so kann nur der Respekt und die Anerkennung überwiegen. Dass man es bis zum Viertelfinale in einen elitären Kreis des DBH schaffte, darf die Spielgemeinschaft einmal mehr als Beweis sehen, wie gut der ganze Trainer und Betreuerstab seit Jahren arbeitet und funktioniert. Auch der Teamspirit war zuletzt einzigartig, wie auch die tolle Unterstützung der Eltern in vielerlei Hinsicht.

So wird die Corona-Saison 20/21 wenigstens für die A-Juniorinnen wohl für immer ein Highlight ihrer Karriere sein, bevor sich für die jungen Talente bald wieder der Blick auf die 3. Frauen-Bundesliga richtet, die hoffentlich in der nächsten Saison endlich wieder startet und deren Vorbereitung nun bald beginnt.

SG BBM Bietigheim – SG Steinbach/Kappelwindeck 31:27 (16:12)
SG Steinbach/Kappelwindeck: Ina Rahner, Lena Strack; Nadja Kaufmann 7/2, Helena Bertele 1, Ariane Pfundstein, Luna Baumann 3, Lucy Klingler 2/2, Janina Jülg 2, Leonie Bürger Lisa Schipper 4, Lorena Vierling 2, Helena Klöpfer 2, Franka Riedl 4, Paula Korinth.
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