Der HBW Balingen-Weilstetten musste die weite Heimfahrt aus Kiel mit der erwarteten Niederlage antreten, konnten das aber hocherhobenen Hauptes tun. 50 Minuten lang spielten sie mit dem deutschen Rekordmeister THW Kiel auf Augenhöhe.

In der Crunch-Time fehlte der arg dezimierten Bürkle-Sieben dann einfach die Kraft und Konzentration, um den Favoriten weiter zu ärgern. Das nutzten die Kieler und brachten das Spiel in ein für sie ruhiges Fahrwasser. Am Ende stand ein alles in allem verdienter 38:34 (21:19)-Erfolg für den THW zu Buche.

Beim letzten Auswärtsspiel in Magdeburg spielten die Gallier noch ohne Vier. In Kiel musste HBW-Coach Jens Bürkle sogar ohne Sechs antreten. Mit dem langzeitverletzten Marcel Niemeyer, dem nach wie vor angeschlagenen Mannschaftskapitän Jona Schoch, seinem Stellvertreter Gregor Thomann und Top-Torschütze Vladan Lipovina fehlten dem HBW am Samstag gleich fünf wichtige Spieler. Als sechster kam noch Torhüter Vladimir Božić hinzu, der sich gegen Minden eine Zerrung zugezogen hat. So gesehen war der Spielberichtsbogen schnell ausgefüllt und die Wechselalternativen gering.

Dennoch hatten sich Bürkle und seine Jungs einiges vorgenommen. Sie wollten dem haushohen Favoriten ein adäquater Gegner sein und dem Tabellenführer nichts schenken. Vom Anpfiff weg ließ Bürkle mit dem siebten Feldspieler angreifen. Ein taktisches Mittel, mit dem die Kieler zwar gerechnet hatten, mit dem sie aber 50 Minuten lang Probleme hatten. Vor allem im ersten Durchgang spielte die Gallier ihre Angriffe alle auf den Punkt. Nur ein einziger technischer Fehler stand nach 30 Minuten zu Buche „Was wir da im Angriff gespielt haben, war schon geil,“ war der HBW-Coach trotz der Niederlage mit seinen Jungs hochzufrieden.

Mit der Überzahl im Angriff erspielten sich die Gallier zu Beginn der Partie einen 2:0-Vorsprung. Diesen verteidigten sie bis zum 3:5 (6. Min.) Ein Wurf von René Zobel in den Kieler Block und eine Parade ihres Torhüters nutzte der THW, um das Ergebnis auszugleichen. Es dauerte aber noch bis in die zehnte Spielminute, bis die Zebras erstmals in Führung gehen konnten. Wer glaubte, dass der Favorit die Partie jetzt im Griff hat, wurde von den Galliern schnell eines Besseren belehrt. Sie ließen die Zebras nicht wegziehen. Auch nicht als sich der THW einen Drei-Tore-Vorsprung erarbeitet hatte. Das 12:9 ins leere Balinger Tor, das die Gallier nach dem erwähnten technischen Fehler kassierten, konterte Tim Nothdurft einmal von außen und einmal per Tempogegenstoß. René Zobel tankte sich durch die Kieler Abwehr und in der 19. Minute war das Ergebnis wieder ausgeglichen. Es stand 12:12.

Lukas Saueressig legte wenig später nach und nach dem 4:0-Lauf der Balinger rieben sich viele die Augen, denn der krasse Außenseiter hatte sich die Führung wieder zurückgeholt. Dennoch gingen die Kieler mit einer 21:19 Führung in die Halbzeitpause. Auch im zweiten Durchgang bekam der Rekordmeister das Spiel nicht unter Kontrolle. Längst hatte THW-Trainer Filip Jicha auch seine arrivierten Spieler, die er zu Beginn mit Blick auf das Champions-League-Viertelfinale am kommenden Mittwoch etwas schonen wollte, auf der Platte, aber auch die taten sich gegen die disziplinierte Balinger Abwehr ziemlich schwer.

Nach dem 23:21 verkürzte Moritz Strosack auf 23:22. Den erneuten Ausgleich für die Gallier besorgte Tim Nothdurft per Tempogegenstoß in der 35. Minute. Zwei Minuten später lagen die Balinger erneut mit 24:25 in Führung. Die Kieler holten sich diese zwar wieder zurück, aber beim 30:30, zehn Minuten vor dem Schlusspfiff, waren die Gallier immer noch auf Augenhöhe. „Keine Ahnung was passiert, wenn wir da noch einen Ball abgreifen“, fragte sich der HBW-Coach in der Pressekonferenz. Dem war aber nicht so. Mit all ihrer Routine bauten die Zebras ihre Führung aus. Während dem Underdog aus dem schwäbischen die Wechselalternativen fehlten, konnte der THW immer wieder Spieler von der Bank bringen. Der Bürkle-Sieben unterliefen mit nachlassender Konzentration ein paar Fehler zu viel und das nutzte der THW um das Spiel am Ende verdient zu gewinnen.

THW Kiel: Niklas Landin, Dario Quenstedt (TW); Sven Ehrig, Domagoj Duvnjak 4, Sander Sagosen 4, Harald Reinkind 3, Magnus Landin 1, Oskar Sunnefeldt 6, Steffen Weinhold 3, Niclas Ekberg 6/4, Leon Ciudad Benitez, Rune Dahmke 2, Miha Zarabec 1, Malte Voigt 1, Pavel Horak, Hendrik Pekeler 7;

HBW Balingen-Weilstetten: Mario Ruminsky, Mike Jensen (TW); René Zobel, Romas Kirveliavičius, Tim Nothdurft 8, Fabian Wiederstein 3, Oddur Grétarsson 4/4, Niklas Diebel 1, Kristian Bećiri 2, Björn Zintel 3, Lukas Saueressig 3, Heinzelmann Tobias, Moritz Strosack 4;

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